Evang.-ref. Kirchgemeinde Seuzach

Cornelia Sprenger

Wandern und Kultur

Wandern und Kultur (28.6.17)<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>seuzach-reformiert.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>115</div><div class='bid' style='display:none;'>1413</div><div class='usr' style='display:none;'>3</div>

Orgelkonzert von Bruno Reich in Sitzberg

Eine längere Hitzeperiode nahm genau an unserem Wandertag, dem 28. Juni, ein Ende und stellte uns eine schöne Wanderung in Aussicht.
Pfr. Hans-Peter Mathes,
Da es aber mit dem Zug nach Wila ging, gab es da und dort auch recht besorgte Mienen, ob denn nicht wohl einer, der für das Tösstal vorausgesagten Regengüsse, für allzu viel Abkühlung sorgen würde. An diesem Tag aber sollten wir, was das Wetter und noch einiges mehr betrifft, richtige Glückskinder sein.
Auf schattigen Waldwegen verliessen wir Wila und machten unseren Stundenhalt unmittelbar vor dem steilsten Anstieg, der zwar kurz, dafür aber sehr heftig war. Wie eine Belohnung kam uns nachher der wunderschöne Höhenweg vor, der uns zum Restaurant „Freihof“ in Schmidrüti führte. Dort nahmen wir das Mittagessen ein und wanderten anschliessend zur Kirche Sitzberg, die nicht nur wegen ihrer schönen Lage, sondern auch wegen der wertvollen Schmahl-Orgel ein Anziehungspunkt für viele Menschen ist.
Nun hatten wir das Wandern hinter uns und die Kultur wartete auf uns. Genauer gesagt war das der Organist Bruno Reich, der die Königin der Instrumente für uns in unvergesslicher Art erklingen lassen sollte. Nachdem Verena Wolfer in einer blumigen Rede den unorthodoxen Organisten (so nannte ihn die NZZ bei seinem Abschied nach 45 Jahren Organistentätigkeit in Zürich Nord) vorgestellt hatte, stellte Bruno Reich uns nun seinerseits das Juwel der Sitzberger Kirche vor.
Dabei erfuhren wir, dass diese Orgel in den Jahren 1741-1743 durch den berühmten Orgelbaumeister Georg Friedrich Schmahl aus Ulm für eine Kirche auf der Schwäbischen Alb erstellt wurde und nach mehreren, aus heutiger Sicht „kriminellen“ Eingriffen auf ihr Innenleben, über Stein am Rhein nach Sitzberg gelangte. Nach über einem halben Jahrhundert erkannte der Grossmünster-Organist, Viktor Schlatter, trotz allen an der Orgel vorgenommenen Veränderungen, dass es sich hier um ein Juwel der Orgelbaukunst handelt. So wurde die Orgel fachmännisch restauriert und 1961 als wirkliche Barockorgel in Sitzberg zum zweiten Mal festlich eingeweiht.
Was wir dann aber in einem einstündigen Konzert von Bruno Reich zu hören bekamen, war nicht ausschliesslich Barockmusik, sondern Orgelmusik von sechs Komponisten aus vier Jahrhunderten. Eindrücklich waren dabei nicht nur seine virtuosen Darbietungen auf der Orgel, sondern auch seine lebhaften Erklärungen zu den einzelnen Stücken. Das Staunen und die Begeisterung der 25 Zuhörerinnen und Zuhörer war gross, genauso wie der Applaus am Schluss.
Als wir die Kirche verliessen, war der Himmel immer noch so aufgeräumt wie unsere Stimmung, sodass wir ohne Regenschutz auf das Postauto warten konnten, welches uns zum Bahnhof Wila brachte. Erst auf der Zugfahrt nach Seuzach konnten wir zwischen Turbenthal und Rikon feststellen, dass die Voraussage der heftigen Regenfälle der Wahrheit entsprach. Wir freuten uns an dem segensreichen Nass für die Natur und an unseren bequemen, trockenen Plätzen im Zug; und ich freue mich auf unseren nächsten und für dieses Jahr letzten Anlass von „Wandern und Kultur“, der am 23. August stattfinden wird.


Hans-Peter Mathes
Fotos: Brigitta Schumacher